
Spielweise · Technik
Florian Mayers Spielstil: warum kein Trainer dieses Tennis lehrt
Es gibt Spieler, deren Technik man Kindern als Vorbild zeigt, und es gibt Florian Mayer. Der Bayreuther spielte ein Tennis, das in kein Lehrbuch passte und Gegnern trotzdem regelmäßig die Grundlinie zerlegte. Die Sportschau fasste das bei seinem Rücktritt 2018 mit der Zeile „Spektakuläres Tennis, leise Art" zusammen, treffender ist diese Laufbahn kaum beschrieben worden.
Die Rückhand, die beides konnte
Formal war Mayer Rechtshänder mit beidhändiger Rückhand, so steht es in jeder Statistik und in jedem Spielerprofil. Praktisch löste er die zweite Hand mitten im Ballwechsel vom Griff und spielte denselben Schlag einhändig zu Ende, wenn die Situation es verlangte — eine Wahlmöglichkeit, über die kaum ein anderer Profi verfügte.
Der Nutzen dieser Doppelfähigkeit lag in der Reichweite. Eine beidhändige Rückhand ist stabiler und kontrollierter, eine einhändige dagegen weiter zu strecken und deutlich leichter zu schneiden. Wer beides beherrscht, kann tief stehende oder weit entfernte Bälle noch kontrolliert zurückspielen, wo andere nur noch abwehren. Genau in diesen Situationen entstanden seine unangenehmsten Schläge, für die Gegner selten eine Antwort fanden.
Geschnittene Bälle und wechselnde Längen
Das eigentliche Markenzeichen war der geschnittene Vorhandball aus dem Halbfeld, flach, langsam und mit starkem Unterschnitt gespielt. Solche Bälle springen kaum ab und nehmen dem Gegner die Höhe aus dem Schlag. Kommentatoren fanden dafür kein Fachwort und behalfen sich mit Umschreibungen; im deutschen Fernsehen hieß der Schlag oft schlicht Zauberschlag.
Dazu kam die konsequente Variation der Längen. Statt Ballwechsel über eine gleichbleibende Distanz zu spielen, wechselte Mayer zwischen kurz und tief, hoch und flach. Gegner mussten ihre Position und ihre Schlaghöhe fast bei jedem Ball neu einstellen, was Fehler erzwang, ohne dass er selbst großes Risiko gehen musste, was über lange Matches seine eigene Fehlerquote schonte.
Auch der Aufschlag folgte diesem Prinzip. Mayer variierte ihn mit einem angedeuteten Stotterschritt in der Vorbereitung, was den Rhythmus des Returnspielers stört, noch bevor der Ball geschlagen ist. Einzeln betrachtet ist keines dieser Elemente spektakulär; in der Summe ergaben sie ein Spiel ohne erkennbares Muster, worin der Vorteil gegenüber technisch saubereren Gegnern lag.
Warum Rasen der passende Belag war
Die Ergebnisse folgen der Technik. Beide Grand-Slam-Viertelfinals seiner Laufbahn fielen auf Rasen, 2004 und 2012 in Wimbledon, ebenso der größte Titel 2016 in Halle. Auf schnellem, flach abspringendem Boden wirkt ein Unterschnittball doppelt: Er bleibt niedrig und lässt dem Gegner kaum Zeit, sich darauf einzustellen, weshalb Mayer auf Rasen seine wichtigsten Matches gewann.
Auf Sand fehlte dieser Vorteil weitgehend, weil der hohe Absprung die Wirkung des Schnitts neutralisiert und lange Ballwechsel die Variation entwerten. Seinen ersten Titel gewann er trotzdem auf Sand, in Bukarest 2011, und auch in Rom und München erreichte er dort Endrunden; die Statistik seiner besten Ergebnisse zeigt aber deutlich, wo dieses Spiel hingehörte.
Der Preis der Unorthodoxie
Ein Spiel, das auf Variation statt auf Wiederholbarkeit baut, ist schwer konstant zu halten. Mayers Bilanz von 243 Siegen zu 261 Niederlagen im Einzel spiegelt das genau: Es gab Abende gegen Top-Ten-Spieler und Erstrundenniederlagen gegen deutlich schwächere Gegner, oft in derselben Saison und manchmal innerhalb derselben Woche, sodass eine verlässliche Prognose bei ihm selten möglich war.
Genau diese Bandbreite machte ihn zum Publikumsliebling. Wer ihn spielen sah, wusste nicht, was in den nächsten zwanzig Minuten passieren würde, und das ist im durchprofessionalisierten Spitzensport eine Seltenheit. Titel gewinnt man mit Konstanz; erinnert wird man für die Momente, in denen niemand eine Erklärung parat hatte, und von diesen Momenten hatte seine Laufbahn genug.
Fragen zum Spielstil
Was war an Florian Mayers Spielstil ungewöhnlich?
Vor allem zwei Dinge: Er löste seine beidhändige Rückhand mitten im Ballwechsel und spielte den Schlag einhändig zu Ende, und er setzte stark geschnittene Bälle aus dem Halbfeld ein, die kaum abspringen. Dazu variierte er die Längen ungewöhnlich stark, statt gleichmäßige Ballwechsel zu spielen. Dazu kam ein Aufschlag mit angedeutetem Stotterschritt.
Welche Rückhand spielte Florian Mayer?
In den Statistiken ist er als Rechtshänder mit beidhändiger Rückhand geführt. Tatsächlich beherrschte er beide Varianten und wechselte innerhalb eines Schlages, indem er die zweite Hand vom Griff löste. Das verschaffte ihm zusätzliche Reichweite bei weit entfernten oder besonders tief springenden Bällen. Die meisten Profis legen sich früh auf eine der beiden Varianten fest.
Auf welchem Belag war Florian Mayer am stärksten?
Auf Rasen. Beide Grand-Slam-Viertelfinals seiner Laufbahn erreichte er in Wimbledon, 2004 und 2012, und sein größter Titel gelang 2016 auf dem Rasen von Halle. Der flache Absprung verstärkte die Wirkung seiner geschnittenen Bälle, während der hohe Absprung auf Sand sie weitgehend neutralisierte. Auf Sand gewann er dennoch seinen ersten Titel, 2011 in Bukarest.
Warum war Florian Mayer nicht konstanter?
Ein Spiel, das auf Variation statt auf Wiederholbarkeit setzt, ist schwerer stabil zu halten als ein technisch standardisiertes. Seine Einzelbilanz von 243:261 zeigt die Bandbreite: Siege gegen Spieler aus den Top Ten und frühe Niederlagen gegen schwächere Gegner lagen häufig in derselben Saison. Die Bandbreite war der Preis für ein Spiel ohne festes Muster.
Was war der sogenannte Zauberschlag?
Gemeint ist sein stark geschnittener Vorhandball aus dem Halbfeld: flach, langsam und mit so viel Unterschnitt, dass der Ball kaum abspringt. Weil es dafür kein etabliertes Fachwort gibt, behalfen sich deutsche Kommentatoren mit dieser Umschreibung. Auf Rasen war der Schlag besonders wirkungsvoll. Auf hohem Sandplatzabsprung verlor er dagegen einen Großteil seiner Wirkung.
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Was diese Beschreibung praktisch bedeutet, zeigt sich an den Gegnern: die Abende gegen Nadal, Söderling, Murray und Thiem folgen alle demselben Muster. Am deutlichsten wurde es auf schnellem Rasen, wo der flache Absprung seinem Slice zusätzlich half – nachzulesen am Titelgewinn von Halle 2016, dem einzigen Turniersieg auf diesem Belag.