
Turnierlauf · Bukarest 2011
Bukarest 2011: der erste ATP-Titel, im fünften Anlauf gewonnen
Vier verlorene Endspiele lagen hinter ihm, verteilt über sechs Jahre und zwei verschiedene Beläge. Im September 2011 gewann Florian Mayer beim letzten Sandplatzturnier der Saison in Bukarest sein fünftes ATP-Finale und damit den ersten Titel seiner Laufbahn. Er kam mitten in seinem mit Abstand stärksten Jahr auf der Tour, damals im Alter von 27 Jahren.
Vier Anläufe, die schiefgingen
Die Vorgeschichte gehört zum Titel. 2005 verlor Mayer das Endspiel von Sopot gegen Gaël Monfils, ein Jahr später am selben Ort gegen Nikolai Dawydenko. 2010 folgte das Finale von Stockholm, das Roger Federer mit 6:4 und 6:3 gewann, und im April 2011 das Endspiel von München, wieder gegen Dawydenko, zweimal derselbe Gegner und zweimal dasselbe Ergebnis.
Kaum ein Spieler seiner Generation brauchte so viele Versuche für den ersten Titel. Bemerkenswert ist die Streuung: Sopot und München auf Sand, Stockholm in der Halle. Das Muster war weniger eine Belagsfrage als eines der letzten Meter, und genau deshalb war der Titel in Bukarest mehr als ein gewöhnlicher Turniersieg.
Die Endspiele bis zum ersten Titel
- Casablanca 2008 – Endspiel verloren
- München 2010 – Endspiel verloren gegen Nikolai Dawydenko
- München 2011 – Endspiel erneut verloren gegen Nikolai Dawydenko
- Bukarest 2011 – erster ATP-Titel, Finalsieg gegen Pablo Andújar
Das Finale gegen Pablo Andújar
Im Endspiel stand Pablo Andújar, der Titelverteidiger des Turniers. Mayer gewann glatt und ließ dem Spanier keinen Satz. Bukarest war damals ein Turnier der ATP-250-Kategorie mit rund 371.000 Euro Gesamtpreisgeld, also die kleinste Stufe der Tour, aber der Eintrag in der Titelliste zählt unabhängig von der Turnierkategorie, zumal Andújar das Turnier im Jahr zuvor gewonnen hatte.
Der Zeitpunkt war günstig gewählt. Als letztes Sandplatzturnier der Saison versammelte Bukarest ein Feld, in dem Mayer zu den stärksten Spielern gehörte, während die Konkurrenz längst auf Hartplatz umgestellt hatte. Wer über sechs Jahre an Endspielen scheitert, braucht irgendwann auch eine Gelegenheit, die zu ihm passt; in Bukarest bekam er sie, und diesmal nutzte er sie.
Der Titel in einem außergewöhnlichen Jahr
Die Saison 2011 war die beste seiner Laufbahn. Im Juni erreichte er mit Platz 18 sein Karrierehoch, im Mai hatte er beim World Team Cup in Düsseldorf alle seine Einzel gewonnen und damit den fünften deutschen Turniersieg mitentschieden. Dazu kamen Viertelfinals in Rom und Dubai, dort gegen den späteren Turniersieger Novak Djokovic.
Vier Wochen nach Bukarest folgte der bekannteste Einzelsieg seiner Karriere: Im Achtelfinale des Masters-Turniers von Shanghai schlug er den Weltranglistenzweiten Rafael Nadal in zwei Sätzen. Das Jahr endete auf Platz 23 der Weltrangliste. In dieser Dichte an Ergebnissen ist der erste Titel fast ein Nebenschauplatz. Und doch war er der Eintrag, auf den er sechs Jahre gewartet hatte.
Ein Detail rundet das Bild. Zum Saisonstart hatte Mayer bereits das Viertelfinale von Brisbane und das Halbfinale von Sydney erreicht, bei den Australian Open dann Nikolai Dawydenko in vier Sätzen besiegt. Die Serie starker Ergebnisse zog sich also über das ganze Jahr, nicht nur über die Sandplatzsaison, auch wenn ihm auf Hartplatz die spektakulärsten Siege gelangen.
Häufige Fragen
Welche weiteren Ergebnisse hatte Mayer 2011?
Zum Saisonstart erreichte er das Viertelfinale von Brisbane und das Halbfinale von Sydney, bei den Australian Open besiegte er Nikolai Dawydenko in vier Sätzen. Es folgten Viertelfinals in Dubai und Rom, das Endspiel von München sowie erstmals die dritte Runde der US Open. Die Serie zog sich durch alle vier Beläge der Saison.
Wann gewann Florian Mayer seinen ersten ATP-Titel?
Im September 2011 beim Sandplatzturnier in Bukarest, dem letzten Sandplatzturnier jener Saison. Im Endspiel besiegte er den Titelverteidiger Pablo Andújar ohne Satzverlust. Es war sein fünftes ATP-Finale nach vier Niederlagen in Sopot 2005 und 2006, in Stockholm 2010 und in München im April 2011. Erst der fünfte Versuch führte zum Ziel.
Wie viele Endspiele verlor Florian Mayer vor seinem ersten Titel?
Vier, verteilt über sechs Jahre: 2005 in Sopot gegen Gaël Monfils, 2006 wieder in Sopot gegen Nikolai Dawydenko, 2010 in Stockholm gegen Roger Federer und im April 2011 in München erneut gegen Dawydenko. Erst im fünften Anlauf gelang dann in Bukarest der erste Titelgewinn. Kaum ein Spieler seiner Generation brauchte länger.
Welche Turnierkategorie hatte Bukarest 2011?
Es war ein Turnier der ATP-250-Kategorie, also der kleinsten Stufe der regulären Tour, mit rund 371.000 Euro Gesamtpreisgeld. Mayers zweiter Titel in Halle 2016 gehörte dagegen zur ATP-500-Kategorie und war damit der sportlich und finanziell deutlich höherwertige Erfolg seiner gesamten Laufbahn. Die Kategorie sagt allerdings nichts über den Wert eines ersten Titels.
War 2011 die beste Saison von Florian Mayer?
Ja, nach allen messbaren Kriterien. Er erreichte im Juni mit Platz 18 sein Karrierehoch, gewann in Bukarest seinen ersten Titel, entschied beim World Team Cup alle Einzel für Deutschland und schlug in Shanghai den Weltranglistenzweiten Rafael Nadal. Das Jahr beendete er auf Rang 23. Ein zweites Jahr dieser Güte folgte nicht.
Mehr zur Saison 2011
Fünf Jahre und zwei Verletzungspausen später folgte der zweite Titel, gewonnen auf Rasen und als Nummer 192 der Welt: Halle 2016 ist der unwahrscheinlichere der beiden Erfolge. In dieselbe Saison fallen das Karrierehoch von Platz 18 und der Sieg über Rafael Nadal in Shanghai, nachzulesen bei den Partien gegen die Top Ten.