
Turnierlauf · Halle 2016
Halle 2016: der größte Titel seiner Karriere, gewonnen als Nummer 192
Im Juni 2016 war Florian Mayer 32 Jahre alt, stand auf Platz 192 der Weltrangliste und kam nur über eine Sonderregelung überhaupt ins Hauptfeld. Sechs Tage später hielt er die größte Trophäe seiner Laufbahn in den Händen; der Titel beim Rasenturnier in Halle ist die unwahrscheinlichste Geschichte dieser ganzen Karriere.
Der Weg ins Hauptfeld
Nach der über ein Jahr dauernden Verletzungspause 2014 und 2015 war Mayer weit aus den Top 200 gefallen. Ins Hauptfeld von Halle kam er über die Protected-Ranking-Regelung, die lange verletzten Spielern für eine begrenzte Zahl von Turnieren ihre frühere Platzierung als Zugangsberechtigung erhält, ohne die er nicht teilgenommen hätte. Gesetzt war er in Halle nicht.
Eine Woche zuvor hatte er beim Rasenturnier in Stuttgart als Qualifikant das Viertelfinale erreicht und dort Roger Federer zwei enge Tiebreaks abgenommen, 6:7 und 6:7. Diese Woche war die eigentliche Vorbereitung: Sie zeigte, dass sein Spiel auf Rasen noch funktionierte, auch wenn die Weltrangliste längst etwas anderes behauptete und Federer beide Tiebreaks knapp gewann.
Der Kalender macht solche Wochen zusätzlich selten. Die Rasensaison liegt zwischen den French Open und Wimbledon und umfasst im ganzen Jahr nur wenige Turnierwochen. Wer seine Stärken auf diesem Belag hat, bekommt entsprechend wenige Gelegenheiten, sie in Punkte und Titel zu übersetzen, zumal die Konkurrenz in diesen Wochen vollständig anreist.
Thiem im Halbfinale, Zverev im Finale
Im Halbfinale traf Mayer auf Dominic Thiem, damals die Nummer sieben der Welt und einer der auffälligsten aufstrebenden Spieler der Tour. Das Match endete glatt mit 6:3 und 6:4 für den Außenseiter. Damit stand ein Spieler jenseits der Top 150 im Endspiel eines ATP-500-Turniers, also der zweithöchsten Turnierkategorie der Tour.
Das Finale am 19. Juni 2016 ging gegen Alexander Zverev, der im Halbfinale Roger Federer besiegt hatte und als Favorit in die Partie ging. Mayer gewann mit 6:2, 5:7 und 6:3 gegen den dreizehn Jahre jüngeren Gegner. Die FAZ überschrieb ihren Bericht mit der Zeile „Grashüpfer Mayer zeigt es allen Zweiflern".
Der Titel in Zahlen
Was der Titel bedeutete
Sportlich war es der höchstdotierte Erfolg seiner Laufbahn und sein erster Titelgewinn auf deutschem Boden. In der Weltrangliste sprang er innerhalb von zwei Wochen von Platz 226 auf Platz 80, weil die starken Auftritte in Stuttgart und Halle unmittelbar aufeinander folgten; die Saison 2016 beendete er nach zwei weiteren Challenger-Titeln auf Rang 50.
Bemerkenswert ist auch das Alter. Mit 32 Jahren gewinnen nur wenige Spieler noch ein Turnier dieser Kategorie, und praktisch niemand tut es von Platz 192 aus. Halle 2016 gilt deshalb bis heute als einer der unwahrscheinlichsten Titelgewinne der jüngeren ATP-Geschichte auf deutschem Boden. Zverev, der Finalgegner, war damals neunzehn Jahre alt und stand am Anfang seiner Laufbahn.
Der Titel war zugleich der zweite und letzte seiner Karriere, fünf Jahre nach dem ersten in Bukarest. 2017 folgte noch ein Endspiel bei den German Tennis Championships in Hamburg, das er gegen Leonardo Mayer verlor, 2018 kaum noch ein Sieg. Wer diese Laufbahn auf einen Nachmittag verdichten will, nimmt den 19. Juni 2016.
Die Turnierkategorie erklärt, warum dieser Titel schwerer wog als der erste in Bukarest. Halle zählt zur ATP-500-Serie, der zweithöchsten Stufe unterhalb der Masters-Turniere und der Grand Slams, und bringt dem Sieger 500 Weltranglistenpunkte in einer einzigen Woche ein. Für einen Spieler jenseits der Top 150 ist das der Ertrag einer halben Saison.
Fragen zum Titel in Halle
Wen schlug Florian Mayer im Finale von Halle 2016?
Alexander Zverev, der im Halbfinale Roger Federer besiegt hatte und als Favorit in das Endspiel ging. Mayer gewann am 19. Juni 2016 mit 6:2, 5:7 und 6:3 gegen den dreizehn Jahre jüngeren Gegner. Es war der größte und gleichzeitig der letzte Titel seiner Laufbahn. Zverev gewann später selbst mehrere Masters-Turniere.
Wie kam Florian Mayer als Nummer 192 ins Hauptfeld von Halle?
Über die Protected-Ranking-Regelung. Sie erhält Spielern, die lange verletzt ausgefallen sind, für eine begrenzte Zahl von Turnieren ihre frühere Weltranglistenplatzierung als Zugangsberechtigung. Mayer war nach den Verletzungsjahren 2014 und 2015 aus den Top 200 gefallen und hätte ohne diese Regel nicht teilnehmen können. Eine Woche zuvor war er in Stuttgart noch durch die Qualifikation gegangen.
Welche Bedeutung hatte der Titel in Halle für die Weltrangliste?
Innerhalb von zwei Wochen verbesserte sich Mayer von Platz 226 auf Platz 80, weil das Viertelfinale in Stuttgart und der Titel in Halle direkt aufeinander folgten. Die Saison 2016 beendete er auf Rang 50, nachdem er zwei Jahre lang praktisch keine Weltranglistenpunkte gesammelt hatte. Es blieb sein letzter Sprung nach oben.
War Halle 2016 Florian Mayers einziger Titel?
Nein, es war der zweite von genau zwei Einzeltiteln seiner Laufbahn. Den ersten gewann er im September 2011 in Bukarest gegen Pablo Andújar. Halle war jedoch der klar höherwertige Erfolg: ein ATP-500-Turnier auf Rasen gegen ein deutlich stärkeres Feld und zugleich sein erster Titelgewinn bei einem Turnier in Deutschland. Zwischen beiden Titeln lagen fünf Jahre und eine lange Verletzungspause.
Wen schlug Mayer in Halle vor dem Finale?
Der bekannteste Sieg vor dem Endspiel war der glatte Zweisatzerfolg über Dominic Thiem im Halbfinale, damals die Nummer sieben der Weltrangliste, mit 6:3 und 6:4. Im Viertelfinale hatte Mayer zuvor Andreas Seppi besiegt und sich damit gegen ein Feld voller höher platzierter Spieler durchgesetzt. Als Nummer 192 war er der am schlechtesten platzierte Halbfinalist.
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Der erste Titel liegt fünf Jahre zurück und wurde auf einem anderen Belag gewonnen: Bukarest 2011 fiel in die beste Phase der Laufbahn, Halle in die schlechteste. Was dazwischen passierte, warum Mayer 2016 nur die Nummer 192 war und wie er dorthin zurückfiel, steht bei den Verletzungsjahren, die zwei Comebacks erzwangen.