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Leere Spielerbank mit Handtüchern und Schlägertasche an einem Rasenplatz bei Nacht

Laufbahn · 2001–2018

Florian Mayers Karriere: alle Stationen, Titel und Weltrangliste

Platz 873 zum Start, Platz 18 am höchsten Punkt, Platz 256 zum Abschied: Florian Mayers Karriere ist keine Aufstiegsgerade, sondern eine Fieberkurve. Mittendrin liegt die beste Phase, in der Florian Mayer ATP-Größen wie Nadal und Söderling schlug – und an ihren Rändern zwei lange Verletzungspausen, und beides zusammen ergibt eine der ungewöhnlichsten deutschen Tenniskarrieren.

Florian Mayers Karriere: die Weltrangliste von Platz 873 auf Platz 18

1050100500200120032005200720092011201320152017Platz 18 · Juni 2011Jahresend-Platzierungen ATP-Einzel · logarithmische Skala
Jahresend-Platzierungen im ATP-Einzel 2001–2018 (logarithmische Skala). Der Ballabdruck markiert das Karrierehoch: Platz 18 am 6. Juni 2011. Quelle der Daten: ATP-Jahresendranglisten.

Die Weltrangliste erzählt Florian Mayers Karriere ehrlicher als jede Anekdote. Zwei Einbrüche fallen sofort auf: der Absturz auf Platz 409 nach der Fingeroperation 2008 und das tiefe Loch von 2014/15 nach der hartnäckigen Schambein-Verletzung. Beide Male kostete ihn eine Verletzung mehrere hundert Plätze, wobei der Weg zurück jeweils länger dauerte als der Absturz selbst.

Dazwischen liegt die erstaunliche Beständigkeit der Jahre 2010 bis 2013, in denen er die Saison viermal in Folge unter den besten 40 beendete. Kaum ein Profi seiner Generation hat die Weltrangliste in beide Richtungen so weit durchmessen wie der Bayreuther, in dieser Phase gelangen ihm auch seine bekanntesten Siege gegen Topspieler.

Sechs Stationen prägen Florian Mayers Karriere, und jede hat ihren eigenen Charakter: der schnelle Durchbruch, die Jahre ohne Titel, der erzwungene Neuaufbau, die starke Mitte, das verlorene Verletzungsjahr und der späte Triumph. Der Zeitstrahl ordnet sie mit den Ergebnissen, an denen sich die jeweilige Phase festmachen lässt, die erst zusammengenommen das vollständige Bild ergeben.

Stationen 2001–2018

  1. 1

    2001–2004: Durchbruch als Qualifikant

    Profistart 2001, erster Achtungserfolg bei den Australian Open 2003 als einziger Deutscher in Runde zwei. 2004 folgt das Märchen: Sieg über den an drei gesetzten Guillermo Coria auf dem Weg ins Wimbledon-Viertelfinale, Sprung unter die Top 50 und die Auszeichnung als ATP-Newcomer des Jahres, auch in Estoril steht er im Halbfinale.

  2. 2

    2005–2007: Zwei Finals, kein Titel

    In Sopot verliert er 2005 das Endspiel gegen Gaël Monfils und ein Jahr später am selben Ort gegen Nikolai Dawydenko. Die Saison 2004 hatte er auf Platz 35 beendet, die drei Folgejahre pendeln zwischen 55 und 72. Immerhin: 2007 schlägt er Dawydenko im Achtelfinale von Halle, der Titel auf Sand blieb ihm damit lange verwehrt.

  3. 3

    2008–2009: Operation und Neuaufbau

    Nach einer Operation am linken Zeigefinger legt er ab Mai 2008 sieben Monate Pause ein, auch um die Lust am Tennis zurückzugewinnen, und rutscht auf Platz 409 ab. 2009 kämpft er sich über die Challenger-Tour zurück: Titel in Bangkok und Karlsruhe, drei weitere Finals, Jahresende auf Platz 61. Platz 409 blieb der tiefste Stand seiner Laufbahn.

  4. 4

    2010–2013: Die besten Jahre

    Finale in Stockholm 2010 gegen Roger Federer, 2011 dann alles auf einmal: Finale in München, Karrierehoch Platz 18 im Juni, der erste ATP-Titel in Bukarest und in Shanghai der Zweisatzsieg gegen den Weltranglistenzweiten Rafael Nadal. 2012 folgt das zweite Wimbledon-Viertelfinale, gestoppt erst vom topgesetzten Novak Djokovic, mit Abstand die beste Saison seiner Laufbahn.

  5. 5

    2014–2015: Das Schambein-Jahr

    Das Jahr beginnt stark: Halbfinale in Doha mit einem Sieg über Andy Murray, Achtelfinale bei den Australian Open. Dann muss er als Nummer 30 der Welt im März 2014 in Miami aufgeben. Ein Ödem im Schambein erweist sich als hartnäckig; erst im April 2015 kehrt er in Monte Carlo zurück.

  6. 6

    2016–2018: Halle, Hamburg, Abschied

    Der späte Höhepunkt: Als Nummer 192 der Welt gewinnt er im Juni 2016 das ATP-500-Rasenturnier in Halle und springt auf Platz 80. 2017 erreicht er in Hamburg noch ein Endspiel, 2018 gelingen kaum noch Siege – im April kündigt er den Abschied nach den US Open an, und die Rückkehr in die Top 100 gelang ihm damit binnen zwei Wochen.

Zwei ATP-Titel – und der späteste Coup in Halle

2011 holte Florian Mayer ATP-Titel Nummer eins: In Bukarest ließ er Pablo Andújar im Endspiel keinen Satz. Fünf Anläufe hatte er dafür gebraucht, verteilt über sechs Jahre und drei verschiedene Beläge. Kaum ein Spieler seiner Generation musste so lange auf den ersten Turniersieg warten. Am Ende der Saison stand er auf Rang 23 der Weltrangliste.

Mit 32 Jahren gewann Florian Mayer ATP-Titel Nummer zwei, und der hatte es in sich. Beim Rasenturnier in Halle 2016 kam er nur über die Protected-Ranking-Regel ins Hauptfeld und schlug im Halbfinale den Weltranglistensiebten Dominic Thiem glatt mit 6:3 und 6:4, nachdem er eine Woche zuvor in Stuttgart Federer einen engen Kampf geliefert hatte.

Im Finale gegen Alexander Zverev spielte Mayer Tennis wie aus einer anderen Zeit und gewann 6:2, 5:7, 6:3. Der Lohn: der Sprung von Platz 192 auf Platz 80, sein erster Titel auf deutschem Boden und die FAZ-Schlagzeile „Grashüpfer Mayer zeigt es allen Zweiflern“, der im Halbfinale zuvor Roger Federer ausgeschaltet hatte.

Endspiele auf der ATP-Tour
Jahr & TurnierGegnerErgebnis
2005 · SopotGaël MonfilsFinale verloren
2006 · SopotNikolai DawydenkoFinale verloren
2010 · StockholmRoger FedererFinale verloren (4:6, 3:6)
2011 · MünchenNikolai DawydenkoFinale verloren
2011 · BukarestPablo AndújarTitel
2016 · Halle (ATP 500)Alexander ZverevTitel (6:2, 5:7, 6:3)
2017 · Hamburg (ATP 500)Leonardo MayerFinale verloren

Florian Mayers Karriere in Zahlen

Grand-Slam-Bestleistungen im Einzel
TurnierBestes ErgebnisJahr(e)
Australian OpenAchtelfinale2014
French Open2. Runde2004, 2011, 2012
WimbledonViertelfinale2004, 2012
US Open3. Runde2011, 2013

In Zahlen gegossen sieht Florian Mayers Karriere so aus: 243 Einzelsiege bei 261 Niederlagen, gut 7,28 Millionen US-Dollar Preisgeld und eine Doppel-Bilanz von 51:111 mit dem Karrierehoch Platz 47. Wie weit das von den ganz großen Marken entfernt liegt, zeigen die ewigen Grand-Slam-Bestenlisten – und genau dieser Abstand erzählt, wie hart die zwei Titel erkämpft waren.

Davis Cup, World Team Cup und Bundesliga

Zu Florian Mayers Karriere gehören auch die Stationen abseits der Tour, allen voran die Team-Wettbewerbe. 2011 gewann Deutschland den World Team Cup in Düsseldorf zum fünften Mal – Mayer gewann dabei alle seine Einzel. Ein Jahr später rettete er als Spitzenspieler die deutsche Mannschaft in der Davis-Cup-Relegation gegen Australien: zwei Dreisatzsiege gegen Lleyton Hewitt und Bernard Tomic, Endstand 3:2.

Wenn es auf der Tour spielfrei war, spielte Mayer Tennis für den TK Kurhaus Aachen – und zwar über ein Jahrzehnt: Fünf Meistertitel in der 1. Tennis-Bundesliga (2008, 2009, 2011, 2012, 2013) stehen in der Vereinsbilanz. Wer die komplette Laufbahn mit allen Belegen nachlesen will, findet sie im Wikipedia-Eintrag zu Florian Mayer.

Einzelne Kapitel im Detail

Die folgenden Seiten greifen jeweils ein Kapitel dieser Laufbahn heraus und behandeln es ausführlich – die beiden Wimbledon-Viertelfinals, die zwei Titelgewinne, die Verletzungsjahre, die Team-Wettbewerbe und die Frage, warum dieses Tennis für Gegner so schwer zu spielen war. Zusammen ergeben die zehn Kapitel ein vollständigeres Bild dieser Laufbahn als jede kurze Zusammenfassung leisten kann.

  1. 1

    Bayreuth und der Weg zum Profi

    Von der Ballwand im Verein bis zum Profistart 2001, mit siebzehn und direkt nach der Schule.
  2. 2

    Wimbledon 2004

    Der Durchbruch: Sieg über die Nummer drei Guillermo Coria, Viertelfinale, Newcomer des Jahres.
  3. 3

    Bukarest 2011

    Der erste ATP-Titel im fünften Anlauf, nach vier verlorenen Endspielen in sechs Jahren.
  4. 4

    Wimbledon 2012

    Das zweite Viertelfinale, acht Jahre nach dem ersten, gestoppt vom topgesetzten Novak Djokovic.
  5. 5

    Verletzungen und Comebacks

    Fingeroperation 2008, Schambein-Ödem 2014/15 – und beide Wege zurück in die Top 100.
  6. 6

    Halle 2016

    Der größte Titel seiner Karriere, gewonnen als Nummer 192 der Weltrangliste.
  7. 7

    Siege gegen die Top 10

    Nadal, Söderling, Murray, Thiem: die Abende gegen die absolute Weltspitze.
  8. 8

    Der Spielstil

    Beidhändige Rückhand, einhändig zu Ende gespielt, und der geschnittene Ball aus dem Halbfeld.
  9. 9

    Davis Cup und World Team Cup

    Zwei Dreisatzsiege gegen Australien 2012 und alle Einzel beim World Team Cup 2011.
  10. 10

    Tennis-Bundesliga

    Fünf Meistertitel mit dem TK Kurhaus Aachen – die konstanteste Zeile der Laufbahn.

Häufige Fragen zur Laufbahn

Wann begann und endete die Karriere von Florian Mayer?

Profi wurde er 2001 mit 17 Jahren, direkt nach der Schule in Bayreuth. Das letzte Match seiner Laufbahn spielte er bei den US Open 2018, wo er Borna Ćorić in vier Sätzen unterlag. Dazwischen liegen 18 Saisons mit 243 Siegen und 261 Niederlagen im Einzel. Insgesamt bestritt er damit 18 Profisaisons.

Was war das Karrierehoch von Florian Mayer in der Weltrangliste?

Platz 18, erreicht am 6. Juni 2011 – wenige Monate bevor er in Bukarest seinen ersten ATP-Titel gewann. Es blieb die höchste Einzelplatzierung seiner gesamten Laufbahn. Vorausgegangen waren starke Auftritte in Rom und beim World Team Cup in Düsseldorf. Im Doppel folgte der Bestwert ein Jahr später mit Platz 47.

Gegen welche Topspieler hat Florian Mayer gewonnen?

Die prominentesten Siege gelangen gegen Rafael Nadal, damals die Nummer zwei, beim Masters in Shanghai 2011 und gegen Robin Söderling in Stockholm 2010. Dazu kommen Dominic Thiem im Halbfinale von Halle 2016 und Andy Murray in Doha 2014. Drei davon gelangen auf Hartplatz, der Sieg in Halle auf Rasen. Alle vier Gegner standen zu diesem Zeitpunkt in den Top Ten.

Warum fehlen 2014 und 2015 fast komplett in der Bilanz?

Ein Ödem im Schambein zwang ihn im März 2014 zur Aufgabe beim Turnier in Miami, damals als Nummer 30 der Welt. Die konservative Behandlung zog sich weit länger als erwartet, sein Comeback gab er erst im April 2015 in Monte Carlo. Bis dahin war er aus den Top 200 gefallen.

Welche Rolle spielte Florian Mayer im Davis Cup?

Seinen größten Davis-Cup-Auftritt hatte er 2012 in der Relegation gegen Australien: Als Spitzenspieler des deutschen Teams gewann er beide Einzel gegen Lleyton Hewitt und Bernard Tomic jeweils glatt in drei Sätzen und sicherte damit beim 3:2-Erfolg den Klassenerhalt in der Weltgruppe. Deutschland blieb dadurch in der höchsten Spielklasse des Wettbewerbs.